Wir bilden aus!
19.07
2017

Umzüge – kein rein menschliches Phänomen

Umzüge werden von den meisten Menschen in der Regel als anstrengend und nervenaufreibend erlebt. Glücklicherweise gibt es jedoch Spezialisten, die einem die Arbeit gegen Entlohnung abnehmen, denn für so ziemlich jede Tätigkeit innerhalb einer großen Gemeinschaft bzw. eines Staates bilden sich irgendwann Profis heraus – ein Hoch auf die Arbeitsteilung!

In diesem Beitrag geht es um einen Staat, der als Paradebeispiel für gelebte Arbeitsteilung gilt und eine Königin besitzt. Nein, es sind weder die Holländer noch die Briten gemeint, wobei man diese in puncto europäischer Arbeitsteilung auch nicht unterschätzen darf: Die einen produzieren exzellenten Käse, den man bis nach Island schätzt und dort vernascht, den anderen geht es mit ihren Fußballspielern nicht anders. Doch Spaß beiseite, gemeint sind die Ameisen.

Bisher weiß man von ca. 13.000 Ameisenarten, 200 von ihnen leben in Europa. Die Größe eines Ameisenstaats kann stark variieren; es gibt Staaten mit nur wenigen hundert Mitgliedern und Staaten mit mehreren Millionen – eigentlich ähnlich wie bei Menschen. Eine weitere, im weitesten Sinne bestehende Ähnlichkeit zu den Menschen ist die unterschiedliche Ernährung. Sie reicht von den vegan lebenden Blattschneiderameisen über Allesfresser (Omnivoren) bis hin zu reinen Fleischfressern (Karnivoren).

Die Regel sind die Omnivoren, wie z.B. die in Deutschland lebende Rote Waldameise. Sie ernährt sich einerseits von anderen Insekten und wirbellosen Tieren, und andererseits von sog. Honigtau. Dieser ist ein Ausscheidungsprodukt von verschiedenen Läusearten und sehr reich an Kohlenhydraten. Ameisenstaaten halten sich teilweise ganze Kolonien von Läusen, um diese regelrecht zu melken und verteidigen sie gegen Fressfeinde als auch andere Ameisenstaaten.

Die veganen Blattschneiderameisen ernähren sich dabei gar nicht von Pflanzen an sich, sondern von einem Pilz, der auf den Blättern wächst, die sie in den Bau getragen haben und dort zerkauen. (Wissenswertes am Rande: Pilze sind streng biologisch gesehen keine Pflanzen, sondern stellen neben den vielzelligen Tieren und Pflanzen eine eigene Kategorie dar.)

Die fleischfressenden Ameisen werden meist Wanderameisen, aber auch Treiber- oder Heeresameisen genannt. Sie kommen ausschließlich in Zentral- und Südamerika, Asien und Afrika vor, wobei die afrikanischen die einzigen sind, die aufgrund ihres Beißwerkzeugs auch Wirbeltiere wie Echsen oder Schlangen zerlegen können. In der Regel fressen Wanderameisen allerdings nur andere Insekten, Spinnen, Regenwürmer und anderes auf Bodenhöhe oder vor allem im Boden umher kriechendes und krabbelndes Getier. Wenn eine Kolonne Wanderameisen auf Beutezug in ein Gebiet einfällt, flüchtet alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist – daher auch die Bezeichnung „Treiberameise“, weil sie alle anderen Tiere vor sich her zu treiben scheinen. Und auch wenn größeren Tieren in der Regel keine Gefahr droht, getötet zu werden, so flüchten sie deswegen, weil die Bisse der Ameisen - die im Stress gelegentlich auch wahllos zubeißen - äußerst schmerzhaft sind. Die Geschwindigkeit einer jagenden Kolonne ist für menschliche Verhältnisse übrigens sehr gering, sie beträgt ca. 20 Meter in der Stunde, also 0,02 km/h. Nach erfolgtem Beutezug geht es zurück ins Nest, welches bei manchen Arten der Wanderameise täglich neu errichtet wird, womit wir beim eigentlichen Thema dieses Blogs wären: dem Umziehen.

Bei Ameisen kommen Umzüge in drei verschiedenen Formen vor, und zwar der nahezu tägliche Umzug der Wanderameisen, der saisonale Umzug einiger weniger Arten und der Umzug aufgrund einer Notlage.

Wanderameisen tragen ihren Namen aus dem einfachen Grund, dass sie nahezu täglich ihr komplettes Nest umziehen. Das hört sich im ersten Moment nach einer ziemliche Plackerei an, ist es jedoch eigentlich gar nicht, denn das „Nest“ besteht ausschließlich aus ihren Körpern. Sie Ketten sich zu einem von außen als chaotisch empfundenen Knäuel zusammen, tatsächlich hat das „Biwak“ genannte Nest jedoch im inneren Gänge und Kammern, in denen die Königin, die Larven und die Eier bestens geschützt sind. Sobald der neue Tag anbricht, ziehen die Ameisen weiter, wobei es auch nachtaktive Arten gibt, bei welchen das Wanderverhalten diametral ist.

Einige wenige Ameisenarten wie beispielsweise die „Blutrote Raubameise“ Formica (Raptiformica) sanguinea betreiben ein Sommer- und ein Winternest. Im Winter ziehen sie in ein witterungsgeschütztes Nest und halten Winterruhe, im Frühling kommen sie aus diesem wieder hervor und beziehen das alte Sommernest oder errichten ein neues in der Nähe gelegenes Nest.

Die dritte und letzte Form kommt bei allen Arten vor, auch bei den eigentlich stationären, denn es handelt sich um einen Umzug, der durch eine für den gesamten Staat lebensbedrohliche Situation hervorgerufen wurde. Je nach Größe eines Ameisenstaats kann es sich hierbei beispielsweise  um das Entfernen eines Steins, das Wühlen im Erdreich, das Zerpflücken eines großen „Ameisenhaufens“, ein Feuer oder eine Überschwemmung handeln. In einer solchen Notlage beginnen manche Arbeiterinnen sofort damit, auszuschwärmen und nach einem neuen Standort für ein Nest zu suchen, während andere die Königin und die Brut beschützen und wegtragen. Sobald ein neuer Nistplatz gefunden wurde, bildet sich eine Ameisenstraße, um die Königin und die Brut dorthin zu befördern. Wie hierbei die „Entscheidungsfindung“ für das neue Nest abläuft, ist letztendlich ungeklärt. Es kommt jedoch zu dem Phänomen, dass die Ameisenstraße eine Zeit lang in beide Richtungen genutzt wird, sodass manche Larven und Eier also wieder zurückgetragen werden, bis endgültig geklärt ist, ob es nun zum neuen Nistplatz geht, oder doch versucht wird, das alte Nest zu behalten.

Somit wäre nun geklärt, dass auch Ameisen das Phänomen des Umziehens zur Genüge kennen und praktizieren. Es gibt jedoch einen entscheidenden Unterschied: Bei Ameisen zieht ausschließlich die Bevölkerung um, das Konzept von Möbelstücken scheint ihnen dann doch eher fremd zu sein.


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