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08.09
2017

Schäden beim Umzug – wer haftet?

Einen Umzug kann man prinzipiell auf vier Arten vollziehen:

 

  • man macht alles selbst

  • man bittet Verwandte und Bekannte um Mithilfe

  • man holt sich bezahlte Hilfe von Jobbörsen, Kleinanzeigen o.Ä.

  • man engagiert ein professionelles Umzugsunternehmen

 

Diese vier Varianten kann man selbstverständlich auch mischen, indem man unterschiedliche Aufgabenfeder eines Umzugs wie Kartons packen oder schwere Möbelstücke transportieren an verschiedene Personengruppen vergibt. Es gilt hierbei jedoch zu bedenken, dass die unterschiedlichen Arten der Helfer auch unterschiedlich versichert sind. Wir klären Sie im Folgenden darüber auf, was es hierbei für (gesetzliche) Regelungen gibt.

 

 

Selbst ist die Frau / der Mann

 

Alle Umzugshandlungen, die man selbst ausübt, sind nicht durch die Haftpflichtversicherung geschützt, denn eine Haftpflichtversicherung greift nur dann, wenn es um einen Personen- oder Sachschaden geht, den man einer anderen Person zugefügt hat. Bei Umzügen besonders zu beachten ist hierbei, dass sich dies auch auf das Packen von Umzugskartons bezieht. Wenn man also selbst einen Umzugskarton befüllt und es beim Transport zu einem Schaden am Inhalt kommt, der nicht durch fahrlässige Behandlung des Kartons zustande kam, dann haftet diejenige Person für den Schaden, die den Karton befüllte und nicht diejenige, die mit ihm hantierte!

 

In Kürze: Jeder Schaden, den Sie selbst an Ihrem Hab und Gut bei einem Umzug mittelbar und unmittelbar verursachen, wird Ihnen privat angerechnet.

 

 

Verwandte und Bekannte

 

Wenn einem von Verwandten und Bekannten bei einem Umzug geholfen wird, so spricht man in Juristendeutsch von einem sogenannten „Gefälligkeitsdienst“. Gefälligkeitsdienste sind standardmäßig NICHT durch die Haftpflichtversicherung der Helfer gedeckt! Einige wenige Versicherungen begleichen aus Kulanz Schäden, die durch einen Gefälligkeitsdienst entstanden, die Regel ist dies jedoch nicht. Das heißt, dass in der Regel Sie für alle Schäden gerade stehen müssen, die von Ihren Helfern aus dem Bekanntenkreis verursacht werden. Man kann dies nur dadurch umgehen, dass man mit seinen Helfern gesonderte Verträge aufsetzt und die Helfer bei Ihren jeweiligen Haftpflichtversicherungen eine Zusatzversicherung abschließen. Doch wer will das seinen freiwilligen Helfern schon zumuten?

 

 

Bezahlte Umzugshelfer von Jobbörsen, Kleinanzeigen o.Ä.

 

Studenten oder Arbeitssuchende bessern sich ihr monatliches Budget gerne durch die Mithilfe bei Umzügen auf. Wenn diese jedoch einen Schaden an Ihren Gütern verursachen, so sind diese nicht durch deren möglicherweise vorhandene, private Haftpflichtversicherung gedeckt, denn die Schädigung entstand in einem Arbeitsverhältnis. Das heißt, dass verursachte Schäden entweder durch den Schadensverursacher persönlich beglichen werden müssen, oder der bezahlte Umzugshelfer verfügt eigens für solche Fälle über eine Betriebshaftpflichtversicherung. Wir raten Ihnen daher, dass Sie sich von Helfern, die Sie über eine Jobbörse, Kleinanzeigen oder Ähnliches beziehen, stets auf eine entsprechende Versicherung ansprechen und sich auch die Police zeigen lassen, bevor Sie ihn engagieren.

 

 

Professionelle Umzugsunternehmen

 

Prinzipiell ist die Gefahr für etwaige Beschädigungen Ihres Hab und Guts bei der Inanspruchnahme eines professionellen Umzugsunternehmens am geringsten, denn Umzugsprofis beschäftigen sich tagtäglich mit dem sachgerechten Einpacken, Verladen, Transportieren und Aufbau von Wohnungseinrichtungen und machen dies nicht mal so nebenbei.

 

Und sollte doch einmal ein Schaden entstehen, so sind diese per Gesetz hoch versichert: Jedes Umzugsunternehmen MUSS laut Güterkraftverkehrsgesetz über eine Versicherung verfügen und haftet gemäß §451e HGB pro Kubikmeter Umzugsgut mit € 620,00. Sollten Sie also beispielsweise über 25 Kubikmeter Umzugsgut verfügen, so wären Schäden bis zu € 15.500,00 gedeckt. Sollten Sie besonders wertvolle Güter wie Kunstwerke oder Ähnliches besitzen, so müssten Sie diese über eine Zusatzversicherung absichern. Außerdem unterliegen Wertgegenstände wie Juwelen, Edelmetalle, Urkunden, Dokumente und Geld einem Haftungsausschluss als auch Tiere und Pflanzen, weswegen wir Ihnen raten, diese selbst zu befördern oder ein auf diese Sonderfälle spezialisiertes Unternehmen zu beauftragen.

 

Etwaige aufgetretene Schäden an unverpackten Gegenständen wie einem Sofa müssen spätestens einen Tag nach dem Umzug gegenüber dem Unternehmen angezeigt werden, bei verpackten Gegenständen wie beispielsweise einer in einem Karton verstauten Vase hat man maximal 14 Tage Zeit. Falls es während des Transports zu sogenannten „unabwendbaren Ereignissen“ wie Blitzeis oder einem Erdbeben kommt, die zu Beschädigungen am Umzugsgut führen, ist das Umzugsunternehmen vom Schadensersatz freigestellt. Mit einer Transportversicherung, deren Prämie in der Regel 2,5 Promille des Umzugswerts bemisst, wären auch diese Gefahren abgedeckt. (Beispiel: Bei € 25.000,00 Umzugswert würde die zu zahlende Prämie € 62,50 betragen.)

 

Wenn Sie ein professionelle Umzugsunternehmen engagieren, dann müssen Sie sich jedoch nicht erst einmal über all die juristischen Rahmenbedingungen informieren, denn die Unternehmen sind per Gesetz dazu verpflichtet, Sie über die aktuelle Rechts- als auch Versicherungslage umfassend aufzuklären. Sollte es also angeraten sein, bei Ihrem individuellen Umzugsgut eine zusätzliche Transportversicherung abzuschließen, so muss Ihnen das mitgeteilt werden.

 

Bei Umzügen ins Ausland gelten für inländische Profis übrigens dieselben Regelungen, weswegen Sie auch in diesem Fall von diesen bestens beraten und bedient werden.

 

 

Hausratsversicherung

 

Auch wenn die Hausratsversicherung mit einem Umzug eigentlich nur indirekt zu tun hat, möchten wir Sie darauf hinweisen, dass eine Hausratsversicherung nur dann automatisch zu den bestehenden Konditionen auf die neue Wohnung übertragen wird, wenn diese genauso beschaffen und genutzt wird wie die alte und Sie die Versicherung rechtzeitig über den Umzug informieren. Das heißt, dass Sie spätestens kurz vor dem Umzug der Versicherung gegenüber bekannt geben müssen, ob die neue Wohnung wie zuvor als Erst- bzw. Zweitwohnung genutzt wird und über dieselbe Wohnfläche und Sicherheitsvorkehrungen (z.B. Sicherheitsschlösser) verfügt. Auch das neue Wohngebiet spielt eine Rolle, denn je nach eingestuftem Gefahrenpotential ändert sich die Prämie. Sollte sich die Prämie nach einem Umzug tatsächlich verändern, so muss Ihnen dies von der Versicherung mitgeteilt werden und Sie könnten bei Nichtakzeptanz eine außerordentliche Kündigung aussprechen.


München: 089 - 89 22 09 20 Augsburg: 0821 - 31 96 266 Fürstenfeldbruck: 08141 - 53 04 99 Jesenwang: 08146 - 92 810
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