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13.02
2018

Faschingsumzüge

Ob „Karneval“, „Fastnacht“, „Fasnacht“, „Fasnet“, „Fasching“ „Fastabend“, „Fastelovend“, oder „Fasteleer“ all diese Begriffe drehen sich um ein und dasselbe Spektakel: Das ausgelassene Feiern, wenn der Winter zu Ende geht und der Frühling seinen Einzug ins Land hält. Dessen Einzug wird dann vielerorts mit Umzügen begrüßt, wobei es gemäß des traditionellen Verständnisses eigentlich genau anders herum ist: Weil es die Umzüge gibt, werden die bösen Wintergeister vertrieben und der Frühling kann beginnen. Teilweise haben die Umzüge regional respektive mundartlich bedingte, spezielle Namen wie „Zoch“, „Schoduvel“, „Narrensprung“ oder „Gaudiwurm“. Und da wir Spezialisten für Umzüge sind, wollen wir passend zur fünften Jahreszeit diesen Brauch etwas näher betrachten.

Der oben erwähnte „Schoduvel“ ist ein gutes Beispiel für das Austreiben des Winters durch einen Umzug, denn im Mittelniederdeutschen nennt man den Teufel „duvel“ und aus „scheuchen“ wird „scho“, was dem Karnevalsumzug in Braunschweig, der auf eine stolze 700jährige Geschichte zurückblicken kann, seinen Namen gab. Ähnlich alt ist der Nürnberger Fastnachtsumzug, und da er 1397 nachweislich in einer Urkunde Erwähnung fand, gilt er offiziell als ältester Karnevalsumzug der Welt, der bis zum heutigen Tage existiert.

Doch auch wenn die Franken möglicherweise den ältesten Karnevalsumzug für sich reklamieren können, so kann innerhalb der Grenzen unserer Republik niemand den Rheinländern das Wasser reichen, wenn es um das närrische Treiben geht.

War es den meisten Bayern schon lange klar, so soll hier noch einmal schwarz auf weiß erwähnt werden: Im Karneval spielt der Narr traditionell eine große und tragende Rolle. Das Karnevalstreiben in den Straßen wurde am Rhein nach einer längeren Pause erst ab 1823 mit der Gründung des „Festordnenden Comites“ wiederbelebt. Nach der langjährigen Besetzung durch die Franzosen und der sich daran nahtlos anschließenden Machtübernahme durch die Preußen diente der Karneval nicht zuletzt als gesellschaftliches Ventil, um sich den patriotisch-bürgerlichen Frust von der Seele zu scherzen. Es war daher naheliegend, dass man hierfür eine Figur bemühte, die seit jeher die sprichwörtliche „Narrenfreiheit“ genoss. Auch die militärischen Uniformen, die von den rheinischen Karnevalsumzügen nicht wegzudenken sind, haben aus dieser Zeit ihren Ursprung: Man parodierte das Gehabe der Fremdherrscher. Und die Funkenmariechen, welche heutzutage glänzend und strahlend im Mittelpunkt eines „Zochs“ stehen (respektive tanzen und springen), gehen auf die in Kriegszeiten allseits bekannten Marketenderinnen zurück, welche die Soldaten nicht nur mit Speis und Trank versorgten...

Neben den rheinischen Besonderheiten darf die schwäbisch-alemannische Fastnacht nicht unerwähnt bleiben, wenn man sich mit der fünften Jahreszeit in Deutschland beschäftigt.

Vor dem 18. Jahrhundert und dem Aufblühen des rheinischen Karnevals war das Austreiben des Winters in der Fastnacht mit Monstermasken und wildem Getue das gängige Geschehen. Doch im 19. Jahrhundert geriet es in den meisten deutschen Gegenden aufgrund der neuen Gepflogenheiten in Vergessenheit, der Karneval verdrängte die Fastnacht. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts – verstärkt nach dem I. Weltkrieg – besann man sich in manchen Gegenden der alten, fast ausgestorbenen Traditionen und erweckte die „wilden Leute“ und Teufel zu neuem Leben.

So etablierte sich in Südwestdeutschland und auch in der Nord- und Zentralschweiz die Fastnacht zu einer eigenständigen Form des närrischen Treibens und wurde 2014 ins bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes im Sinne des Übereinkommens zur Erhaltung des Immateriellen Kulturerbes der UNESCO aufgenommen.

Ein gewisses Pedant zum wilden Treiben der schwäbisch-alemannischen Fastnacht stellen die Perchten dar, die vor allem in Bayern und Österreich ihr Unwesen treiben und seit Kurzem auch im Landkreis Fürstenfeldbruck wieder zu Bestaunen sind. Sie teilen sich in die „guten“ Schönperchten und die „bösen“ Schiechperchten auf und sind gruselig anzuschauende Gestalten, die zwar auch den Kampf zwischen Frühling und Winter allegorisch austragen, allerdings keinen direkten Bezug zum Karneval – genau genommen nicht einmal zur Fastnacht – haben. Ihre Zeit ist viel mehr die Adventszeit und besonders die Spanne zwischen Wintersonnenwende und dem Dreikönigstag, die sogenannten „Raunächte“. Wer sich über die Perchten genauer informieren und vielleicht selbst einmal einen verkörpern möchte, sei auf die Amperperchten verwiesen.


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